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Baustoffe mit Zukunft: Mineralisch – nachhaltig – ökologisch

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Das Bekenntnis zum Klimaschutz der neuen Bundesregierung ist wichtig und richtig. Gerade der Bau- und Gebäudesektor kann dabei eine zentrale Rolle spielen. Voraussetzung ist eine unaufgeregte, sachliche Analyse, wo es die größten Potenziale gibt und wie man diese erreichen kann.

Das neue Regierungsprogramm 2020-2024 »Aus Verantwortung für Österreich« trägt ein klares Bekenntnis zum Klimaschutz und enthält viele Ansätze, die uns auch im Bereich Bau Chancen eröffnen. Dem Gebäudebereich kommt ja nicht erst seit kurzem eine gewichtige Rolle zu.

Sowohl im Neubau als auch am Bestand gibt es die Potenziale im Sinne eines zukunftsgerichteten Klimaschutzes. Unter der Formulierung »Gebäude: Nachhaltig und energiesparend heizen, kühlen, bauen und sanieren« finden sich verschiedene Hinweise darauf, dass die Sanierung, die Nachverdichtung, der Einsatz ökologischer Baustoffe oder auch der Umstieg auf neue Raumwärme- und Kühl-systeme Priorität haben werden.
 
Ökologische Baumaterialien

Dass man im Neubau gezielt eine Bauweise forcieren will, wirkt zwar wettbewerbsverzerrend. Aber solange man auch andere ökologische Baumaterialien wie die mineralischen (Natur-)Baustoffe in der Praxis mitberücksichtigen will, sollte man diesbezüglich großzügig sein. Immerhin wird die Sicherstellung der regionalen Verfügbarkeit nachwachsender Rohstoffe verlangt, noch dazu aus nachhaltiger Forstwirtschaft.

Das relativiert die zuvor genannte Wettbewerbsverzerrung wieder ein wenig. Alles andere wäre ja ohnehin inakzeptabel und wohl nicht im Sinne des Klimaschutzes. Wer forciert schon den Bau von Gebäuden, deren Rohstoffe über tausende Kilometer ins Land geschleust werden.

So wird daher auch dieser Punkt mit Sicherheit nicht so gemeint sein, wie es auf den ersten Blick den Anschein macht. Und vielleicht wird Österreich dann doch irgendwann noch den Stockerlplatz für das größte Importvolumen schnell nachwachsender Baurohstoffe abgeben – man darf gespannt sein!
 

Klimaanpassung

Eine große Veränderung steht dem Gebäudebereich aufgrund der zunehmenden Außentemperaturen bevor. Dabei geht es nicht zwangsweise um die Ersparnisse der Raumwärme in den kalten Monaten, sondern vielmehr darum, in den zunehmend heißen Sommermonaten konstruktive Schutzmöglichkeiten zu implementieren.

Das Heizen und Kühlen mit massigen Bauteilen liefert hierzu bereits ausreichend Potenzial, um ausschließlich mit erneuerbarer Energie den sommerlichen Überwärmungsschutz zu gewährleisten.
Es ist daher zu begrüßen, wenn diesbezügliche Förderinstrumente geschaffen und Rechtsmaterien angepasst werden. Vielleicht werden die Gebäude der Zukunft ja doch noch Teil der Energie-Infrastruktur und als Speicher für erneuerbare Energie genutzt.
 

Ein Gebot der Stunde

Ein weiteres für den Bau relevantes Kapitel widmet sich der Kreislaufwirtschaft. Letztendlich eines der Kernthemen des »New Green Deal« von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Dass man sich nun verstärkt der Lebenszyklusbetrachtung widmen will, wird mehr als begrüßt.

Gerade im Baubereich gibt es aufgrund der Rezyklierbarkeit – ja teilweise sogar Wiederverwendbarkeit – der traditionellen Baustoffe große Stärken. Einerseits zeigen uns Ziegel und Beton seit Jahrtausenden – wer nicht soweit zurück schauen will, fokussiert sich auf die Ringstraßenbauten –, welche Wertbeständigkeit ein Gebäude aus diesen Materialien besitzt.

Andererseits lassen sich diese Materialien fast vollständig rezyklieren und in den Stoffkreislauf für neue Bauprodukte zurückführen. Wenn das Regierungsprogramm daher die Langlebigkeit und Wiederverwertbarkeit der verwendeten Produkte fordert, dann sollte uns das am Bau zufrieden stimmen.

Potenziale aufzeigen

Fasst man diese drei Hauptpunkte zusammen, dann gilt es den Bau weiterzuentwickeln. Die Wege sind bislang die richtigen, jedoch liegen noch viele Potenziale ungehoben im Abseits der Wahrnehmung unserer Gesellschaft.

Wir sollten jedenfalls danach trachten, bei der Beurteilung von Baustoffen und Bauweisen den Blickwinkel nicht zu eng einzustellen. Ziel muss eine Gesamtbeurteilung über den Lebenszyklus sein. Denn nur die Berücksichtigung aller Phasen eines Produkts - von der Herstellung bis zur Wiederverwertung - geben Beleg darüber, wie es um das Klimaschutzpotenzial steht.

Es liegt daher an uns, der Politik diese Potenziale aufzuzeigen. Und im Sinn eines umfassenden Klimaschutzes wäre es dringend ratsam, wirklich alle Potenziale aus allen Bereichen zu heben. In Anlehnung an das Motto unseres Bundeskanzlers »Das Beste aus beiden Welten« werden wir den Gebäudebereich nur dann zukunftsfit machen, wenn wir nicht frühzeitig aufgrund falsch verstandener Lobbyingaktivitäten in eine bestimmte Richtung abbiegen. Es wäre schade um die Potenziale der »Unberücksichtigten«. Immerhin wussten bereits die Römer, dass nicht nur ein Weg nach Rom führt.

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